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Auf den Spuren der Industriekultur

Wer kennt schon die Haniel Villa in Wiesbaden, die Braun Sammlung in Kronberg, den August-Euler-Flugplatz in Darmstadt, Deutschlands ersten Flugplatz, oder die Kläranlage Niederrad, die erste mechanische Großkläranlage des Kontinents? Diese und viele weitere industriekulturelle Schätze werden durch die „Route der Industriekultur Rhein-Main“ gehoben. Mit dieser Route beschäftige ich mich derzeit im Auftrag der KulturRegion FrankfurtRheinMain gGmbH.

Die Route der Industriekultur, die von Aschaffenburg am Main bis Bingen am Rhein reicht, wurde vor einigen Jahren mit dem Ziel entwickelt, das industriekulturelle Erbe und Geschehen in Rhein-Main zu sichern, wieder ins Bewusstsein zu bringen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Zunächst umfasste die Route 34 Städte und Gemeinden in den drei Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern mit etwa 700 Objekten. Die Route wird ständig in die Fläche erweitert und es sind mittlerweile insgesamt rund 1.000 Orte für die Route der Industriekultur identifiziert worden. Zudem fanden dieses Jahr bereits zum 8. Mal die Tage der Route der Industriekultur Rhein-Main statt; 240 Veranstaltungen an 125 Orten fanden dabei statt.

Im Hochtaunuskreis waren bislang nur industriekulturelle Orte in Bad Homburg und Friedrichsdorf Bestandteile der Route. Ich unterstütze nun die Kulturregion dabei, industriekulturell bedeutende Stätten in anderen Kommunen im Hochtaunuskreis für die Route der Industriekultur Rhein-Main zu erschließen. Dabei erfahre ich selbst viel, was ich bislang noch nicht wusste. So habe ich beispielsweise erst jetzt vom Hasselborner Eisenbahntunnel in Grävenwiesbach erfahren. Der Tunnel wurde im Zusammenhang mit der Einrichtung des Führerhauptquartiers „Adlerhorst“ in Langenhain-Ziegenberg als Unterstand für den Führersonderzug geplant. Ab 1944 diente der Tunnel jedoch vor dem Hintergrund zunehmender Luftangriffe auf Frankfurt als Produktionsstätte für die Rüstungsindustrie, und bis Kriegsende arbeiteten hier ca. 1.500 Menschen!

Die (ehemaligen) Mühlenstandorte in Oberursel, ein Glashüttenareal in Glashütten und die Erdfunkstelle in Usingen sind Beispiele weitere Orte, die sicherlich in der einen oder anderen Form Aufnahme in die Route der Industriekultur finden werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch einige weitere Schätze heben kann, und werde zu gegebener Zeit an dieser Stelle wieder berichten. Der interessierte Leser sollte sich schon jetzt den Termin für die nächsten Tage der Route der Industriekultur Rhein-Main vormerken: 2.-7. August 2011.