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Nachhaltigkeit auch nach dem Hessentag?

Vorgestern Abend zog es mich wie etwa 500 weitere Oberurseler Bürger in die Stadthalle: Eine Bürgerversammlung bot die Gelegenheit für einen Rückblick auf den Hessentag und die Diskussion von Fragen wie diesen: Was hat der Hessentag 2011 Oberursel gebracht? Wie nachhaltig war der Hessentag und wie nachhaltig sind seine Folgen? Einig waren sich die Anwesenden darin, dass der Hessentag, der vom 10.-19. Juni 2011 in Oberursel stattfand, großartig war, auch wenn daran bis kurz zuvor noch einige gezweifelt hatten und es auch während der Feiertage wohl einige schwierige Situationen mit unzufriedenen Bürgern für den Bürgermeister zu meistern galt. Auf der Versammlung outete sich ein Bürger und bezeichnete sich als jemand, der „vom Saulus zum Paulus“ und doch noch von Hessentagsbegeisterung erfasst wurde.

Jedenfalls hatte die Stadt Oberursel das hessische Landesfest im Vorfeld unter das Motto „Hessentag der Nachhaltigkeit“ gestellt und wollte damit den nachhaltigsten aller bisherigen Hessentage durchführen. Vertreter städtischer Gremien und der Verwaltungen zeigten dann in mehrere Präsentationen, wie dieses Ziel umgesetzt wurde. Aber auch Michael Reuter, Vorsitzender des fokus O., durfte eine kurze Präsentation halten und vom 1. Oberurseler Werte- und Wirtschaftskongress berichten, den wir im Mai organisiert hatten.

Zum Stichwort Klimaneutralität: Hierzu erfuhr man, dass die Stadtwerke Oberursel für die beim Hessentag entstandenen CO2-Emissionen Emissionsschutzminderungszertifikate im Wert von über 70.000 Euro gekauft hat. Hiermit wird eine indische Zuckerrohrfabrik dabei unterstützt, nicht Kohle, sondern Zuckerrohr-Reste („Bagasse“) für die Gewinnung von Energie zu nutzen. Die CO2-Emissionen auf dem Hessentag entstanden vor allem durch die An- und Abreise der Gäste. Deshalb waren die ÖPNV-Angebote während des Hessentags besser als sonst und es überraschte mich nicht mehr so zu hören, dass die extra eingerichteten Parkplätze während des Hessentags nie voll waren.

Ein weiteres Stichwort: Flächenplanung: Auf dem Feld hinter dem Gewerbegebiet „Drei Hasen“ fand die Landesausstellung statt. Das bereits erschlossene Gelände soll nun zum Gewerbegebiet weiterentwickelt werden. Der Oberurseler Bürgermeister wünscht sich hierfür hochwertiges und nachhaltiges Gewerbe, das wenig Fläche verbraucht und kein hohes Verkehrsaufkommen erzeugt. Eine erste Firma, die diesen Kriterien entspricht, hat sich bereits für das Gelände entschieden: die Meier Gastechnik GmbH / Co. KG, die im Mai 2012 den Betrieb vor Ort aufnehmen möchte. Kritisiert wurde der Ausbau des Areals zum Gewerbegebiet von einem Vertreter der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Da die Stadt jedoch ohnehin schon länger geplante hatte, eine neue Gewerbefläche auszuweisen, halte ich das Vorgehen der Stadt für sinnvoll. Es könnte generell immer mehr Grün- bzw. Naturflächen geben, aber irgendwo muss sich die Stadt Möglichkeiten für (zukünftige) Steuereinnahmen schaffen, um wiederum andere – auch nachhaltige – Projekte finanzieren zu können.

Alles in allem denke ich, dass man die Bemühungen zur Orientierung am Nachhaltigkeitsprinzip auf jeden Fall gutheißen sollte. Offensichtlich hatte sich bislang tatsächlich noch keine der vorigen Hessentagsstädte in dem Umfang das Thema auf die Fahnen geschrieben. Es wäre natürlich zu begrüßen, wenn die Stadt auch bei zukünftigen Großveranstaltungen solche Standards anlegt. Es gibt wohl schon so einige Anfragen von Veranstaltern, die Oberursel seit dem Hessentag als Wunschstandort für Großveranstaltungen betrachten …

Hier kann man sich die auf der Bürgerversammlung am 8. August 2011 gezeigten Präsentationen herunterladen.
Und hier geht es zur Berichterstattung der FNP über die Bürgerversammlung.