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(Regional-)Flughäfen als Jobmotoren?

Dass am Frankfurter Flughafen 70.000 Arbeitsplätze angesiedelt sind, ist weithin bekannt. Schaut man sich die Projekte an, die derzeit am und um den Flughafen herum realisiert werden, ist es sicher nicht schwer anzunehmen, dass diese Zahl noch deutlich steigen könnte: Bau des Terminals 3, Erweiterung der Cargo-City, Bezug des The Squaire mit weiteren Mietern, Entwicklung der Gateway Gardens als zukünftiger Standort für Büros, Messen, Wissenschaft, Einzelhandel und Hotellerie – und ganz aktuell am 21. Oktober die Eröffnung der neuen Landebahn. Die Betreiber des Londoner Flughafens in Heathrow befürchten schon, dass Frankfurt und Paris ihnen in absehbarer Zeit den Rang ablaufen könnten.

Dass Flughäfen Treiber der Wirtschaftsentwicklung sind, wurde bereitsThema einer Reihe von Studien. Das zeigte beispielsweise eine Studie von Booz Allen Hamilton und Prognos von 2008. Aus den Studienergebnissen wurde abgeleitet, dass unter Berücksichtigung des Passagier- und des Frachtverkehrs bei einer gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung von rund 24 Mrd. Euro insgesamt etwa 480.000 Arbeitsplätze vom Flugverkehr in Deutschland abhängen. Das klingt beeindruckend. Gilt das nun für alle Flughäfen?

Das Portal www.german-airports.de listet derzeit 61 Flughäfen in Deutschland auf. Wobei hier auch noch Berlin-Tempelhof mit aufgeführt ist; dieser wurde jedoch 2008 geschlossen und wird unter dem Namen „Tempelhofer Freiheit“ zu einem neuen Stadtquartier entwickelt wird – aber das nur als Nebenbemerkung. Jedenfalls kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zu dem Schluss, dass auch kleinere Flughäfen „eine große Bedeutung als Jobmaschinen in der Provinz“ haben. In der Studie wurden 19 regionale Flughäfen analysiert, an denen je mehr als 100.000 Passiere pro Jahr starten und landen. Demnach bieten diese (hochgerechnet) fast 32.000 direkte Arbeitsplätze und weitere 61.000 Arbeitsplätze im Flughafen-Umfeld. Die Studie sieht in den Regionalflughäfen damit „Jobmaschinen in der Provinz“. Die Wirtschaftlichkeit der Flughäfen war jedoch kein Thema in der Studie. Diese Frage stellt sich aktuell mehr denn je, da gerade Billigfluggesellschaften immer mehr Verbindungen streichen, z. B. in Lübeck, Weeze und Hahn.

Auch in Hessen hat das Thema Aktualität: Seit längerem ist der Ausbau des Regionalflughafens Kassel-Calden heftig umstritten, da die Kosten immer weiter gestiegen sind. Bei Spiegel online ist aktuell schon die Rede von rund 250 Mio. Euro. Viele bezweifeln, dass der Flughafen jemals schwarze Zahlen schreiben wird. Der Verfasser eines der zahlreichen Kommentare zu dem Spiegel-Beitrag mutmaßt: „Viele Leute hier glauben, das Ding wäre ohnehin als Frachtflughafen vorgesehen, was ja wegen der vielen Logistikunternehmen in der Nähe vielleicht Sinn machen würde. Eine Art Puffer für Frankfurt am Main. Könnte aber auch ein Strohhalm sein.“

Mein Fazit: Flughäfen, auch regionale, können Jobmotoren sein. Es muss jedoch gefragt werden, wie gut diese Motoren „geölt“ sind und ob ihre Umgebung auch auf längere Sicht ein „stotterfreies Laufen“ erlaubt. Ich denke, so einige dieser „Motoren“ könnten bald einen irreparablen „Motorschaden“ davontragen, sprich: Es wird demnächst sicher einige Bewegung in der deutschen Flughafenlandschaft geben.

Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, dem sei beispielsweise die kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Flughafeninfrastruktur bei DB Research empfohlen, z. B. hier.