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Auf der EXPO steppt der Bär

Zwei Tage war ich in München auf der expo real und hatte den Eindruck, dass derzeit ziemlich gute Stimmung in der Immobilienbranche herrscht – natürlich nicht nur aufgrund der ausgelassenen Metropolparty FrankfurtRheinMain am ersten Messeabend. An vielen Messeständen drängten sich die Besucher, gerade auch am Gemeinschaftsstand der Metropolregion FrankfurtRheinMain. Und es wurden zahlreiche spannende Projekte und Studien präsentiert.

Laut einer aktuellen Studie der DG Hyp darf sich die Immobilienbranche tatsächlich freuen: Demnach werden Spitzenmieten und Kaufpreise sowohl in diesem Jahr als auch 2014 weiter zulegen, vor allem natürlich an den sieben Top-Standorten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart.

Für mich von besonderem Interesse sind nach wie vor Erkenntnisse zum Logistikimmobilienmarkt. Deshalb ließ ich mir auch nicht die Präsentation der aktualisierten Studie „Logistikimmobilien – Markt und Standort 2013“ entgehen. Die Wissenschaftler von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS haben erneut flächendeckend die Attraktivität und Intensität von Logistikimmobilienstandorten untersucht – dieses Mal nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sondern auch in Belgien und Niederlande. Rhein-Main zählt dabei erneut zu den absoluten Top-Regionen und fällt insbesondere durch die höchste Neubauaktivität aller untersuchten Regionen im Studienzeitraum auf. In Bezug auf die Logistikflächenverfügbarkeit liegt Rhein-Main dagegen im hinteren Mittelfeld, was jedoch nicht überrascht. Eine Kurzinfo zu der Studie gibt es hier.

Top-Themen am Gemeinschaftsstand FrankfurtRheinMain waren unter anderem „Grünes Bauen“, Wohnungsbau, Airport Cities, Industrie im urbanen Raum und eine neue Standortinitiative: Vertreter der Standortinitiative Neues Niederrad SiNN erläuterten gemeinsam mit Vertretern der Frankfurter Stadtverwaltung, wie Niederrad sich von der Bürostadt zu einem lebendigen Quartier entwickeln soll. Ein ehemaliges Bürohochhaus wurde hier ja bereits erfolgreich zu einem Wohnhochhaus umgebaut. Zwei weitere Projekte dieser Art sollen demnächst starten. Darüber hinaus will man sich konzentrieren auf „kulturelle Leerstandsentwicklung“, wie beispielsweise Open Air Kino, Public Viewing zur Fußball-WM 2014 oder ein Musikfestival. Aber auch „automobilaffine Zwischennutzungen“, Urban Gardening oder ein Wochenmarkt seien denkbar. Und was bisher keiner weiß: Auch studentisches Wohnen ist geplant, denn in Niederrad befindet sich der EC Europa Campus.

Hier noch ein paar ausgewählte Projekte, die auf der expo präsentiert wurden und die ich spannend finde:

  • Der heiße Kampf um Flächen für Industrienutzungen wird in Deutschland immer schwieriger. Vor diesem Hintergrund hat Bochum jetzt ein „Sahnestück“ im Angebot: Das Ende des Bochumer Opelwerks steht bevor, so dass 160 ha Werksgelände für eine Nachnutzung zur Verfügung stehen. In der Messezeitung der Immobilien Zeitung vom 8.10.2013 lässt sich der Hauptgeschäftsführer der IHK Mittleres Ruhrgebiet dazu folgendermaßen zitieren: „Keiner der meint, da noch einen Schwarzstorch entdeckt zu haben, kann verhindern, dass da wieder Industrie angesiedelt wird.“
  • Für eine alte Autobahnbrücke im Lahntal bei Limburg hat ein Investor eine außergewöhnliche Idee entwickelt: Die Brücke, die eigentlich abgerissen werden soll, soll mit vier Türmen mit jeweils 7.000 Quadratmeter Nutzfläche bebaut werden. In den Türmen soll es Büros, Wohnungen, Hotels oder Konferenzräumlichkeiten geben. Bislang gab es anscheinend vor allem positive Resonanz für diese Idee – mal sehen, ob sie tatsächlich realisiert wird.
  • Ganz real sind schon Teile eines Projekts in Aachen geworden: An der RWTH Aachen entsteht auf 800.000 Quadratmetern Fläche einer der größten europäischen Campusbereiche für zukunftsorientierte Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Nach der Fertigstellung sollen hier 19 Forschungscluster angesiedelt werden. In den Gebäudekomplex des Clusters Logistik sollen noch in diesem Monat die ersten Mieter einziehen. Federführendes Institut in dem Cluster ist das FIR Forschungsinstitut für Rationalisierung. Gewisse konzeptionelle Parallelen zum Frankfurter House of Logistics and Mobility sind durchaus erkennbar …