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Cluster(-Initiativen) sind noch lange nicht out

Diesen Eindruck kann man nicht nur beim Blick auf die aktuelle EU-Förderpolitik gewinnen, sondern den vermittelte auch die Jahrestagung go-cluster, die vor kurzem unter dem Motto „Cluster gestalten die Zukunft“ in Berlin stattfand. Nicht zuletzt wurde betont, dass „Cluster“ nach wie vor untrennbar mit „räumlicher Nähe“ zu sehen sind, was auch meinem Verständnis von Clustern entspricht. Es geht also um die Frage: Wie bringen wir Menschen/Akteure zusammen, damit die Wertschöpfung erhöht werden kann?

Am interessantesten war für mich die Vortragsreihe, in der Beispiele für neue Clusterservices präsentiert wurden. Alle vorgestellten Beispiele profitieren von finanzieller Förderung durch das Bundesprogramm go-cluster. Einen gewissen Unterhaltungswert erhielt die Vortragsreihe dadurch, dass die Zuhörer aufgefordert waren, direkt im Anschluss über den innovativsten Clusterservice abzustimmen. Folgende Förderbeispiele wurden präsentiert:

  • „Umwelttechnologie meets …“ – eine neue Veranstaltungsreihe des Umweltclusters Bayern, bei dem es um Businessspeednetworking geht: Mitglieder des Umweltclusters treffen Mitglieder anderer Cluster, z. B. Sensorik, Biotech und Forstwirtschaft, zu vorterminierten Gesprächen. Es finden jeweils acht Runden mit zehnminütigen Gesprächen statt. Der Nutzen: Viele Teilnehmer bestätigten, dass sie hierdurch beispielsweise neue Kunden fanden oder Prozesse zur Produktionsverbesserung anstoßen konnten.
  • „Cluster Newsroom“ – eine Dienstleistung im Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit des Clusters Medical Valley in der Metropolregion Nürnberg. Eine Art zentrale Clusterredaktion bietet den Clustermitgliedern mit einem Online-Newsroom eine Plattform, auf der sie regelmäßig und gegen Entgelt Nachrichten veröffentlichen können. Dadurch könnte die Clusterpressearbeit langfristig auf die Clustermitglieder ausgelagert und Content-Sharing im Cluster gefördert werden.
  • „5 x 5 Welcome to Aachen“ – eine Initiative zur Bekämpfung des Fachkräftemangels des Aachener IKT-Clusters REGINA. Dabei wurden in Kooperation mit der Agentur für Arbeit aus über 1.000 Kandidaten fünf Job-Bewerber aus jeweils fünf europäischen Ländern für eine Woche nach Aachen eingeladen. Neben Vorstellungsgesprächen bei mehreren Unternehmen wurde den Teilnehmern ein umfangreiches Programm geboten. Im Ergebnis fanden regionale Unternehmen neue Mitarbeiter und Aachen konnte einen europaweiten Imagegewinn verzeichnen.
  • „Marktcheck“ im Rahmen des Wertschöpfungspaktes Chemie, angeboten durch das Chemiecluster Bayern. Dieser Service besteht aus einer Kombination diverser Angebote nach dem Vorbild eines Baumarktes für Unternehmen, die nicht der Chemiebranche angehören. Dabei überprüfen „Innovations-Paten“ in einem Marktcheck entsprechende Angebote bzw. Produkte von KMU, die anschließend in einem speziellen virtuellen „Angebotsregal“ präsentiert werden.
  • „Expert Plus“ – ein Online-Expertenforum des Braunschweiger Kompetenznetzes Industrielle Plasma-Oberflächentechnik. Es richtet sich an Experten für Plasma-Oberflächentechnik und bietet Raum für Fachdiskussionen sowie einen Marktplatz für Kauf und Verkauf von Geräten sowie die Möglichkeit für eine Jobbörse. Damit soll nicht zuletzt die Sichtbarkeit der Plasma-Oberflächentechnik erhöht werden.

Den Publikumspreis hat eindeutig der Clusterservice „5 x 5 Welcome to Aachen“ gewonnen.

Zum Abschluss der Konferenz gab ein Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums einen Ausblick auf die Zukunft der Clusterpolitik. Demnach soll zukünftig insbesondere „Cross-Clustering“ gefördert werden, d.h. die Zusammenarbeit zwischen Clustern über Branchen- und Ländergrenzen hinweg. Zudem ist ein neuer Spitzenclusterwettbewerb geplant.

Die EU sucht derzeit übrigens sechs Modell-Demonstrationsregionen zur Entwicklung moderner Clusterstrategien. Bis 12. Mai können sich europäische Cluster bewerben. Für die Sieger winken umfangreiche Beratungsleistungen bei der Optimierung ihrer Clusterstrategien bzw. -politiken. Weitere Informationen gibt es auf der folgenden Webseite:
http://ec.europa.eu/regional_policy/newsroom/detail.cfm?id=1330&lang=en