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Gründer und Unternehmer(persönlichkeiten) werden gebraucht

Nicht nur im Rahmen der Projekte, die ich seit Jahren für die OECD bearbeite und bei denen es um die Förderung von Unternehmertum geht, verfolge ich die Berichterstattung zu dem Thema. In  letzter Zeit scheint es immer offensichtlicher zu werden, dass heutzutage und in der Zukunft mehr und auch neue Unternehmer(typen) gebraucht werden. Egal, ob es um Nachfolger für bestehende Unternehmen oder um die Gründung von neuen Unternehmen geht.

Prof. Günter Faltin, seit Jahrzehnten bekannt in der deutschen Gründerszene, Erfinder der Teekampagne und Buchautor des Entrepreneur-Klassikers “Kopf schlägt Kapital”, glaubt, „dass wir uns viel stärker in die Ökonomie einmischen müssen. Und zwar am besten, indem wir selbst gründen.“ Aus Sicht von Faltin löst der „Glaube an quantitatives Wachstum“ keine Probleme und es bestehe die Notwendigkeit, „der Verdummung in modernen Konsumwelten eine intelligentere Ökonomie“ entgegenzustellen. Diese und weitere aus meiner Sicht diskussionswürdige Aussagen sind in einem Interview mit Faltin in der April-Ausgabe des enorm Magazins zu finden, zur Lektüre sehr zu empfehlen!

Stellt man dieser Empfehlung die Entwicklung der Gründerzahlen der letzten Jahre entgegen, gibt es zumindest etwas Anlass für Hoffnung. Dies zeigen Zahlen vom Institut für Mittelstandsforschung Bonn und vom Institut für Freie Berufe in Nürnberg: Die Zahl der Selbständigen ist zwischen 1994 und 2013 um fast 30 % gewachsen. Eine besondere Gruppe der Selbständigen, die Freiberufler, haben sich in ihrer Zahl sogar um 130 % erhöht. Gerade unter den Selbstständigen und Freiberuflern habe ich schon viele Menschen getroffen, die sehr offen für neue Unternehmensmodelle und generell für alternative Ideen im gesamten Wirtschaftssystem offen sind. Zugleich ist jedoch festzustellen, dass die Zahl der gewerblichen Existenzgründungen seit Jahren rückläufig ist. Sie lag im Jahr 2014 bei knapp 310.000. Personen, die gewerblich gründen (können oder wollen), sind sicherlich auch als potenzielle Übernehmer bzw. Nachfolger bestehender gewerblicher Unternehmen zu betrachten. In diesem Bereich wird es in den nächsten Jahren spannend:

So hat kürzlich beispielsweise eine KfW-Studie ergeben, dass ein Drittel der Inhaber mittelständischer Unternehmen in Deutschland älter als 55 Jahre ist. Nicht weniger aussagekräftig ist folgende Zahl: Bis zum Jahr 2017 planen die Chefs von 580.000 Unternehmen, ihr Unternehmen abzugeben, d.h. zu verkaufen oder an einen Nachfolger zu übergeben. Zugleich wird – nicht nur in dieser Studie – festgestellt, dass es an Unternehmernachwuchs mangelt. Auch wenn es bereits eine Reihe an Beratungs- und Unterstützungsangeboten zum Thema Unternehmensnachfolge gibt, steht zu befürchten, dass in den nächsten Jahren eine Reihe von Unternehmen aufgegeben werden müssen – selbst wenn sie gut laufen, weil keine Nachfolgelösung gefunden werden kann. Hier geht es zu den Ergebnissen der erwähnten KfW-Studie.