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Werteorientierung und Geld können zusammenpassen

… es funktioniert aber nicht immer. Dies ist eine Erkenntnis, die man vor kurzem auf dem 3. Oberurseler Werte- und Wirtschaftskongress gewinnen konnte. Sehr beeindruckend war in diesem Zusammenhang beispielsweise der Vortrag von Stefan Messer, Chief Executive der Messer Group in Bad Soden: Er schilderte, wie er mit Hilfe von Finanzinvestoren in einer vertrauensvollen Zusammenarbeit das Unternehmen wieder in Familieneigentum brachte. Und dass werteorientiertes Handeln für ihn nach wie vor selbstverständlich und Basis für den Unternehmenserfolg ist.

Über eineinhalb Jahre hatte ich wieder gemeinsam mit drei Mitstreitern vom fokus O. – Forum der Selbständigen Oberursel diesen Kongress vorbereitet. Und wir hatten uns die Entscheidung, den ehemaligen Hedgefonds-Manager mit Oberurseler Wurzeln Florian Homm auf dem Kongress sprechen zu lassen, wahrlich nicht leicht gemacht. Homm konnte mit seinen Ausführungen praktisch als „Gegenbild“ zu Messer verstanden werden: Homm zeigte bewusst und unbewusst auf, was Geld aus bzw. mit einem Menschen machen kann, und bestätigte, was man schon immer geahnt hatte: „Werte und Nachhaltigkeit müssen einem aggressiven Finanzinvestor total egal sein.“ Ich hatte den Eindruck, dass viele Kongressteilnehmer von Homms Wandlung, d.h. der Abwendung vom großen Geld und Hinwendung zum christlichen Glauben, nicht richtig überzeugt waren – ich übrigens auch nicht.

Wie Geld und Macht in den christlichen Kirchen zusammenhängen, dass die KfW auf der Finanzierungsseite wichtigster Unterstützer der Energiewende ist und dass Crowdfunding geeignet ist, Energieeffizienz in Unternehmen zu fördern, waren weitere Vortragsthemen im Bereich „Werte und Geld“. Allerdings wurden im Verlauf des Kongresses auch andere Werte und Zusammenhänge thematisiert, die ebenso erwähnenswert sind. Besonders spannend waren in dieser Hinsicht die Nachmittagsforen, in denen Vertreter von Oberurseler Unternehmen zu Wort kamen und erläuterten, wie sie es schaffen, ihre Unternehmen nachhaltig im Wettbewerb zu behaupten. Dabei ging es um verschiedenste Produkte: Produktfotografien, Schokolade, Nassklebestreifen, Uhren, Graffiti und Filtertechnik.

Spannend fand ich beispielsweise, dass sich die Werte der mittlerweile 110 Jahre alten Firma Neubronner laut dem Urenkel des Gründers, Thomas Erbacher, im Laufe der Zeit nicht verändert hätten, die der Kunden jedoch schon, und dass die Firma bislang so allen Herausforderungen wie dem Aufkommen des Konkurrenzprodukts Tesa, der Benzinknappheit, dem Trend zum Recycling und dem Internetversand erfolgreich begegnen konnte.

Sehr gefreut hatte ich mich auf und etwas erstaunt war ich von der abschließenden Podiumsdiskussion, in der es um die Frage ging, ob unternehmerisches Denken und Werteorientierung bei jungen Menschen Wunschvorstellung oder Realität sind: So konnten Prof. Dr. Alexander Ebner und Nina Rodmann von der Goethe-Uni Frankfurt – zumindest auf Basis ihrer Studie aus dem Jahr 2014 – bislang keinen Wertewandel unter jungen Menschen, der oft als „Generation Y“ bezeichneten Generation, ausmachen. Und sowohl Vivien Eller, Schülerin an der Internatsschule Schloss Hansenberg, als auch Felix Hettig von der Institut der deutschen Wirtschaft Köln JUNIOR gGmbH fanden, dass es genügend Programme und Initiativen zur Förderung von unternehmerischem und werteorientiertem Denken bei Schülern gibt. Ein positives Fazit: Es scheint also gar nicht so schlecht um unsere Jugend bestellt zu sein!

Es war ein aus meiner Sicht rundum gelungener Kongress, auch das Abendprogramm, das dieses Mal auf unterhaltsame literarisch-musikalische Weise vom Schauspieler Moritz Stoepel und dem Cellisten Christopher Herrmann bestritten wurde. Es sieht ganz danach aus, dass wir bald mit der Organisation des 4. Oberurseler Werte- und Wirtschaftskongresses beginnen.

Weitere Kongressnachlese:

Bericht auf der Webseite des fokus O. mit Text und Fotos

Artikel in der Taunus Zeitung vom 9. Mai 2015