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Endlich nach Weinheim!

Das neue Jahr ist gerade gut eine Woche alt, ein vorgestern realisiertes Vorhaben jedoch schon zweieinhalb Jahre: Endlich war ich mit meinen drei Kollegen vom fokus O., mit denen ich den Oberurseler Werte- und Wirtschaftskongress organisiere, in Weinheim!

Weinheim befindet sich in Baden-Württemberg, nur wenige Kilometer entfernt von der Grenze zu Hessen, verfügt über zwei Burgen und ein Schloss, in dem das städtische Rathaus untergebracht ist, und fungiert als Große Kreisstadt. Weinheim hat somit auf den ersten Blick nichts gemeinsam mit Oberursel. Auf den zweiten Blick sieht es schon etwas anders aus: Die Einwohnerzahl bewegt sich in beiden Städten zwischen 44.000 und 46.000, in beiden Städten gibt es im alten Stadtkern hübsche Fachwerkhäuser. Und die Innenstadtentwicklung ist in beiden Städten ein ganz großes Thema.

Genau aus letzterem Grund hatten wir zum zweiten Oberurseler Werte- und Wirtschaftskongress, der im Mai 2013 stattfand, die abschließende Podiumsdiskussion unter das Thema „Wert(e)volle Stadtentwicklung“ gestellt. Als einen der Referenten und Diskutanten hatten wir den Weinheimer Oberbürgermeister (OB) Heiner Bernhard eingeladen. Er hielt einen Impulsvortrag über und gab in der Diskussion spannende Einsichten in die erfolgreiche Wiederbelebung der Weinheimer Innenstadt. Zum Abschluss lud er uns ein, einmal nach Weinheim zu kommen.

Nicht nur wir Vier vom Organisationsteam des Werte- und Wirtschaftskongresses, sondern zwei weitere fokus O.-Vertreter sowie drei städtische Mitarbeiter wurden am 7. Januar in Weinheim sehr herzlich von OB Bernhard und Stephan Fischer vom Amt für Stadtentwicklung empfangen. Sie führten uns zunächst knapp zwei Stunden fachkundig und unterhaltsam durch Weinheim, und wir fanden immer mehr Gemeinsamkeiten zu Oberursel:

  • Auch Weinheim hat einen „schiefen“ Marktplatz! Allerdings führt mittig über den Platz eine schmale Straße, die rechts und links durch zahlreiche gastronomische Betriebe mit großzügigen, terrassierten Außenbereichen gesäumt ist. Oberursels Marktplatz ist mittlerweile zumindest im nördlichen Bereich sehr gut gastronomisch erschlossen und dient samstags als Standort für den Wochenmarkt.
  • Die Umstände der Stadtgründung waren in Weinheim und Oberursel ähnlich: Beide Städte werden im 8. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Beide urkundlichen Erwähnungen erfolgten im „Lorscher Codex“, wurden also durch das Kloster Lorsch beurkundet. Zudem kamen fast zur gleichen Zeit Teile der heutigen Gemarkungen Oberursel und Weinheim durch Schenkungen in den Besitz des Klosters Lorsch.
  • Sowohl Oberursel als auch Weinheim verfügen über zentral gelegene Tennisplätze, die jeweils nicht mehr als zehn Gehminuten vom Rathaus entfernt sind. 🙂

Anschließend saßen wir noch einmal eineinhalb Stunden im OB-Büro zusammen und tauschten uns über Erfahrungen und Überlegungen zur Stadtentwicklung aus. Weinheim hat im Jahr 2002 ein „Entwicklungskonzept Innenstadt“ beschlossen und wies auf dieser Basis das Sanierungsgebiet „Innenstadt“ auf. Auch wenn die Einzelhandelssituation hier nach wie vor schwierig ist (wovon wir ja in Oberursel auch ein Lied singen können), konnte die Attraktivität der Weinheimer Innenstadt seitdem wieder deutlich gesteigert werden. Hiervon hatten wir uns zuvor beim Rundgang selbst überzeugt.

Hier noch eine Auswahl der Maßnahmen und Erfahrungen, die uns OB Bernhard und Stadtentwicklungsexperte Fischer im Gespräch erläuterten:

  • Das „Entwicklungskonzept Innenstadt“ wurde unter Beteiligung der Weinheimer Bürger erarbeitet. Beispielsweise wurde ein Wettbewerb für Gestaltungsvorschläge für die Innenstadt ausgelobt. Fast 50 Beiträge wurden eingereicht und die drei erstplatzierten Beiträge mit dreistellig dotierten Geldpreisen ausgezeichnet.
  • Im Jahr 2010 wurde das Einkaufscenter Weinheim Galerie in Betrieb genommen. Es konnten seitdem nie alle Einzelhandelsflächen komplett vermietet werden. Aus diesem Grund wird die Galerie in diesem Jahr, d.h. nach erst fünf Jahren des Bestehens, teilweise umgebaut, um so die Attraktivität des Centers zu erhöhen. Ein neuer Ankermieter ist mit Modepark Röther, der ab Herbst 4.600 qm in der Galerie anmieten wird, bereits gefunden.
  • Die Weinheimer halten sich streng an das im Jahr 2000 erlassene und zuletzt in 2010 aktualisierte Einzelhandelskonzept. Gemäß dem Konzept ist großflächiger Einzelhandel nur in den zwei Hauptzentren der Stadt erlaubt. Selbst hier habe die Erfahrung gezeigt, dass es sich nur in den besten Lagen lohnt, Einzelhandel anzusiedeln. Die Weinheimer halten das Konzept somit für ein gutes Instrument zur Stärkung der Innenstadt und insbesondere des dort befindlichen Einzelhandels.