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Die singapurische Antwort auf die Frage nach der zukünftigen Mobilität

Kürzlich war ich auf Reisen in Südostasien, unter anderem in Singapur. In einer Tageszeitung lief mir ein Artikel über den Weg, in dem der Autor aktuelle Zielsetzungen für die zukünftige Mobilität in dem Stadtstaat reflektiert. Die beschriebenen Ziele erscheinen mir doch deutlich „radikaler“ als die Ziele, die wir uns hier beispielsweise im Rhein-Main-Gebiet setzen. Khaw Boon Wans, Transportminister von Singapur, wird mit der Aussage zitiert, dass „das Auto denselben Weg einschlagen wird wie einst die Pferdekutsche“. In den nächsten 15-25 Jahren solle das Auto immer stärker abgeschafft werden.

Der asiatische Stadtstaat ging dabei in der Vergangenheit schon viele Wege, die bei uns wohl einen Aufschrei der Entrüstung verursacht hätten: In  1960ern wurde eine extra Autosteuer, in den 1990ern dann noch eine Zertifikatspflicht eingeführt, um ein Auto halten zu dürfen, und zwar mit streng limitierter Zahl. Ebenfalls plagen Singapurs Autofahrer rasant ansteigende Parkgebühren sowie schrumpfende Parkplätze und Fahrflächen. Um das Auto zu „besiegen“, hat die Regierung drei Leitlinien formuliert:

  1. Starker Ausbau des öffentlichen Verkehrs. So wird die Busflotte um ein Drittel vergrößert, das Schienennetz sogar bis 2030 verdoppelt. Ziel soll sein, dass 75 % aller Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln getätigt werden.
  2. Das öffentliche Interesse an alternativen Mobilitätsformen wecken. Nicht zuletzt hierfür wird das bestehende Netz an Fahrradwegen verdoppelt. Um diesem Vorhaben einen besonderen Schub zu geben, denkt die Regierung sogar darüber nach, Fahrräder und E-Bikes auf den Fußgängerwegen zu erlauben.
  3. Möglichst wenige Autos sollen in Zukunft auf den Straßen fahren.

Einhergehend mit den Leitlinien beschloss Singapur auch, nur noch wenige neue Straßen zu bauen und die bestehenden so umzurüsten, dass sie über exklusive Bus- und Fahrradspuren verfügen. Das Auto soll im Singapur der Zukunft auch keinen Platz mehr extra bekommen.

Hier im Rhein-Main-Gebiet werden wir wohl nicht ganz so ambitionierte Wege beschreiten. Dennoch gibt es auch hier viele Bestrebungen, die in eine ähnliche Richtung laufen. Seien es die Pläne für die Nordmainische S-Bahn und die Regionaltangente West oder auch der Plan des Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), bis 2025 Frankfurt zu einer „Velo-Stadt“ zu machen. Mit Schnellbussen und besser verknüpften Bahnanbindungen wird bereits jetzt eine stärkere Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) vorangetrieben.

Die Entwicklung mag hier bei uns langsamer vorangehen als im südostasiatischen Singapur. Aber vielleicht schaffen wir es ja auch, uns zu einer deutlich multimodaleren Verkehrsnutzung hinzuentwickeln. Im Idealfall, ohne dem Auto den Kampf anzusagen und trotzdem oder gerade deshalb die Autonutzung zu senken und für Entlastung auf den Straßen zu sorgen.

Ich werde jedenfalls versuchen, die Entwicklungen in Singapur im Auge zu behalten und bei Fortschritten an dieser Stelle wieder zu berichten.