Blog

Zahl der Gründer geht zurück – FrankfurtRheinMain entdeckt Gründerpotenzial

Eine eigene Firma zu gründen ist ein nicht selten gehegter Traum, für den es eine gute Idee, das nötige Kapital und dann auch noch eine gute Portion Mut braucht. In Deutschland wurden laut dem gerade neu erschienenen KfW-Gründungsmonitor im Jahr 2015 rund 763.000 Gründer gezählt. Das sind 152.000 bzw. 17% weniger als im Vorjahr. Und die Tendenz zeigt weiter nach unten. So errechnete das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn für 2015 ebenfalls eine gesunkene Zahl an Unternehmensgründungen in Deutschland – wenn auch bei dieser Berechnung das Minus „nur“ 3,7% beträgt. Und auch der Gründerreport des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) 2016 zeichnete ein Bild von sinkenden Gründerzahlen. Dabei befindet sich nicht nur die Zahl der tatsächlichen Gründungen im Sinkflug, sondern auch die Nachfrage nach Unterstützung bei Gründungen: Die 79 deutschen Industrie- und Handelskammern führten im Jahr 2015 knapp 206.000 Gespräche mit angehenden Unternehmensgründern. Das entspricht einem Minus von zehn Prozent gegenüber dem Jahr 2014 und zugleich dem vierten Minus in Folge.

Die Gründe für diese Entwicklung erscheinen den Experten klar: Vor allem die gute Konjunktur sorgt in Deutschland für weniger Gründer. Denn Studien bestätigen immer wieder, dass in Deutschland dann mehr gegründet wird, wenn es auf dem Arbeitsmarkt schwieriger wird, (angestellte) Jobs zu finden. Das ist in vielen Ländern anders. Vielleicht spielt aber auch die Tatsache eine Rolle, dass die Förderprogramme für Gründer deutlich geschrumpft wurden in den letzten Jahren, u. a. beim Gründungszuschuss, und das KfW-Gründercoaching wurde komplett abgeschafft. Dazu kommt, dass der Anteil der sogenannten innovativen Unternehmensgründer immer noch vergleichsweise gering ist, auch wenn sich laut DIHK-Gründerreport in manchen Regionen eine „vitale Szene innovativer Startups“ entwickelt. Der KfW-Gründungsmonitor analysierte, dass die Zahl der innovativen Gründer um 6% auf 95.000 leicht angestiegen ist. Diese Gründungen werden deshalb als so bedeutend für die Wirtschaft eingeschätzt, weil innovative Gründer vergleichsweise hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung tätigen und eine höhere Bestandsfestigkeit aufweisen. Gerade im Zuge der Digitalisierung erschließen sich dabei oft ganz neue Geschäftsmöglichkeiten, beispielsweise in der Fintech-Szene.

Die Fintechs, d.h. IT-getriebene Start-ups im Finanzsektor, sind derzeit in aller Munde in FrankfurtRheinMain, vor allem in der Stadt Frankfurt am Main. Vor gut zwei Wochen kündigte der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir auf der Konferenz „Frankfurt Finance Summit“ an, dass in vier Monaten das Frankfurter Fintech-Zentrum eröffnet werden soll. Die Fintech-Startups hatten in Frankfurt in den letzten Monaten immer wieder öffentlichkeitswirksam auf sich und ihre Bedeutung aufmerksam gemacht und angemahnt, dass Frankfurt in diesem Bereich gegenüber Berlin aufholen müsse.

Auch wenn die Fintechs bislang nur einen geringen Anteil an den Gründungen und Start-ups in der Rhein-Main-Region aufweisen, so ist es ihnen dennoch zu einem gewissen Teil zu verdanken, dass das Thema Unternehmensgründungen in der Region wieder stärker ins Bewusstsein gelangt. Das ist auch nötig, denn Rhein-Main wird von außerhalb kaum als Startup-Standort wahrgenommen. Im Start-Up-Monitor 2015 von KPMG erscheint Rhein-Main nicht einmal gesondert als Gründerstandort auf der Karte. Zugleich ergab jedoch eine kürzlich erschienene Studie des RKW-Kompetenzzentrums zu Stärken, Schwächen und Entwicklungschancen der „Rhein-Main-Region als Gründerökosystem“ ein erfreulicheres Ergebnis: Demnach zählt die Region mit 3,5 Gründungen je 10.000 Erwerbsfähige zu den stärksten fünf Gründer-Standorten in Deutschland, hatte 2015 beinahe jeden Tag ein Start-Up-Event und ist besonders in den Bereichen Big-Data und innovative Dienstleistungen für Gründer und Start-Ups interessant.

Rhein-Main ist in jedem Fall eine Region, die für Gründer interessant sein oder vielleicht sogar auch als „Geheimtipp“ für Gründer gelten kann. Denn mit einer starken Wirtschaft und dem daraus resultierenden hohen Marktpotenzial, der hervorragenden Infrastruktur und der hohen Internationalität bietet die Region nicht nur etablierten Unternehmen, sondern gerade auch Gründern Potenziale. Das erkennen glücklicherweise nicht nur die Fintechs, sondern weitere Initiativen und Akteure wollen künftig stärker Unternehmertum in der Region fördern.

Auf dem Tag der Metropolregion am 17. Mai 2016 ist praktisch eine neue Initiative dazugekommen: „Perform Zukunftsregion FrankfurtRheinMain“ hat das Ziel, konkrete Handlungsansätze für die Weiterentwicklung der Metropolregion FrankfurtRheinMain zu identifizieren. Eines der Themenfelder ist „Gründungs- und Innovationsregion“ und beschäftigt sich mit dem Gründungsgeschehen vor Ort. Die regionalen Kammern, Träger von „Perform“, haben konkrete Projekte hierzu angekündigt.

Auch an Universitäten und Hochschulen sind verstärkte Aktivitäten zur Förderung von Unternehmertum zu beobachten, in Darmstadt ist beispielsweise ein komplett neues Gründerzentrum geplant. Zudem hat das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst vor kurzem den Hochschul-Gründungs-Wettbewerb „Hessen-Ideen“ gestartet, bei dem sich stu­den­ti­sche Be­wer­ber­teams mit einem kon­kre­ten Grün­dungs­vor­ha­ben oder einer Un­ter­neh­mens­grün­dung in­ner­halb der ver­gan­ge­nen zwei Jahre bewerben können. Ich finde diese Entwicklung erfreulich, hoffe aber auf noch mehr Aktivitäten und werde zu gegebener Zeit an dieser Stelle wieder berichten.

Und wer Lust auf weitere Lektüre zum Thema Gründung und Unternehmertum hat, dem seien folgende, auch in diesem Beitrag zitierte Quellen empfohlen: