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Auch Gewerbegebiete werden jetzt nachhaltig

Wenn man an nachhaltiges Bauen oder nachhaltige Baugebiete denkt, fallen einem meist zuerst grüne Wohnanlagen, moderne Bürokomplexe oder Mischformen aus beiden ein. Energie sollen sie sparen, Emissionen vermeiden, am besten aus wiederverwertbaren Materialien bestehen und, wenn möglich, auch von viel Grün durchzogen sein. Seltener denkt man allerdings an ein Gewerbegebiet, dann damit bringt man eher zubetonierte Flächen, die im Sommer vor Hitze flirren, große Werkshallen mit arbeitsbedingtem Lärm und hohes Verkehrsaufkommen in Verbindung. Selten assoziiert man diese Gewerbegebiete mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Das könnte sich jedoch bald ändern.

Denn in den letzten Jahren wird über die Frage, wie Gewerbegebiete nachhaltig geplant, gebaut und eiterentwickelt werden können, immer mehr nachgedacht. Pilotprojekte und Studien wurden und werden gestartet, wobei die Initiative von der kommunalen oder der Bundesebene oder auch Universitäten ausgeht. Das Spektrum der nachhaltigkeitsorientierten Maßnahmen reicht vom Begrünen ungenutzter Parkflächen über das energieeffiziente Sanieren von Gebäuden und Anlagen bis zum Entwurf von Plänen, um die vorhandene Infrastruktur zu optimieren und insbesondere auf gemeinschaftliche Nutzungsmodelle zu setzen. Auch in FrankfurtRheinMain ist das Thema angekommen. Im Folgenden zwei Ansätze, die region + projekt übrigens in bestimmten Aspekten mitbegleiten darf:

Erstens: Das Gewerbegebiet Fechenheim-Nord/Seckbach befindet sich in Frankfurt am Main und existiert schon sehr lange, sicherlich rund einhundert Jahre. Hier sind 550 Unternehmen aus verschiedensten Branchen, darunter sowohl alteingesessene als auch jüngere. Vor allem die Infrastruktur ist hier teilweise stark in die Jahre gekommen, was sich beispielsweise in alten Gleisen, Straßen mit Kopfsteinpflaster und komplizierten Wegen zur nächsten Bahn-Haltestelle zeigt. Bereits seit Jahren wurde über nötige Umgestaltungen in dem Gewerbegebiet diskutiert, jetzt wird es konkret: Die Frankfurter Wirtschaftsförderung hat im Juni dieses Jahres einen Standortmanager eingestellt, der sich in den nächsten fünf Jahren um eine nachhaltigkeitsorientierte Weiterentwicklung des Gebiets kümmern wird. Im Oktober wird dazu vor Ort extra ein Büro eröffnet. Dies soll nicht zuletzt dazu dienen, um Kontakte und Kommunikation zwischen den ansässigen Unternehmen zu fördern; der Netzwerkarbeit soll somit hohe Bedeutung beigemessen werden. Aber auch stadtplanerische und verkehrstechnische Verbesserungen sollen umgesetzt werden. region + projekt wird mittels des Beratungsprogramms „südhessen effizient mobil“ den Unternehmen vor Ort Angebote machen, um Maßnahmen des betrieblichen Mobilitätsmanagements zu konzeptionieren und umzusetzen.

Zweitens: Ein komplett neues Gewerbegebiet soll in Hattersheim am Main im Main-Taunus-Kreis entstehen. Hier planen die Wirtschaftsförderung der Stadt und die Hessische Landgesellschaft mbH (HLG) als Grundstückseigentümer, das „Gewerbegebiet südlich der Voltastraße“ im Rahmen eines Pilotprojektes nach nachhaltigen Kriterien zu entwickeln – ein Novum in FrankfurtRheinMain. Vorgesehen ist, eine hohe ökonomische, ökologische, soziale wie funktionale Qualität für den neuen Gewerbestandort mit einer Gesamtfläche von 40.000 m2 anzubieten. Vertreter der Stadt Hattersheim am Main, die HLG und weitere Akteure, darunter Vertreterinnen der ivm und des Programms „südhessen effizient mobil“ inklusive Manuela Wehrle von region + projekt, diskutierten in einer Innovationswerkstatt Ideen und innovative Konzepte für verschiedene Handlungsfelder, darunter Verkehr und Mobilität. In einem separaten Workshop wurde das Thema Verkehr und Mobilität weiter ausgearbeitet. Ziel ist es, ein Gestaltungshandbuch für ein Nachhaltiges Gewerbegebiet zu erstellen, welches standortinteressierten Unternehmen zur Verfügung gestellt wird und dem Magistrat der Stadt als Entscheidungsgrundlage für die Ansiedlung von Unternehmen dient. Auch hier sollen die (noch anzusiedelnden) Unternehmen vom Programm „südhessen effizient mobil“ profitieren können. Wenn es soweit ist, sollen sich Unternehmen übrigens darum bewerben, sich in dem Gebiet ansiedeln zu können.

Es wird auf jeden Fall spannend sein zu sehen, wieviel „Nachhaltigkeit“ am Ende tatsächlich in den beschriebenen Gewerbegebieten steckt. Die Initiativen kann man jedoch nur begrüßen und hoffen, dass auch andere Gewerbegebiete von den Erfahrungen profitieren werden können oder sich inspirieren lassen für die weitere Entwicklung. Dann könnte es passieren, dass in einigen Jahren das Gewerbegebiet bei Ihnen um die Ecke grüner, energieeffizienter, kooperativer oder zumindest etwas weniger verkehrsbelastet und ruhiger wird.