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Auf den Spuren der Industriekultur

Nachdem mich heute wieder einmal eine Infomail mit zahlreichen Veranstaltungstipps im Rahmen der Route der Industriekultur Rhein-Main erreichte, kamen die Erinnerungen an einen meiner ersten Aufträge hoch, die mein Büro region + projekt 2010 nach der Eröffnung bekam: Die KulturRegion FrankfurtRheinMain gGmbH als Trägerin einer Reihe etablierter und bekannter regionaler Kulturprojekte und -initiativen, darunter der Route der Industriekultur Rhein-Main, wollte von mir wissen: Welche industriekulturellen Stätten gibt es im Hochtaunuskreis?

Bevor ich hierzu noch einiges schreibe, möchte ich natürlich erst einmal auf ein paar ausgewählte aktuelle Veranstaltungstipps, empfohlen von der Route der Industriekultur, aufmerksam machen:

So, 01.03.2020 von 11-17 Uhr: Frühlings-Fahrtag im Frankfurter Feldbahnmuseum. Diese Fahrtage, an denen man selbst in der Feldbahn (durch den Rebstockpark) mitfahren kann, gibt es nur zu ausgewählten Terminen im Jahr. Alle weiteren Infos hier: https://feldbahn-ffm.de

Di, 10.03.2020 um 18 Uhr: Eröffnung der Ausstellung „Ich mache deine Kleidung! Die starken Frauen aus Südostasien“ im Foyer des Kreishauses am Europaplatz in Friedberg. Die Posterausstellung stellt neun Frauen aus Textilfabriken in Kambodscha und Bangladesch vor und läuft bis 31. März. Weitere Infos: https://frauenseiten.wetterau.de

So, 15.03.2020 um 15 Uhr: Geführter Rundgang im Stadt- und Industriemuseum Rüsselsheim, auf dem Familien mit dem Museumskoffer das Verhältnis von Mensch, Werkzeug und Maschine erforschen können. Titel: „Es bewegt sich was“. Eine Anmeldung ist bis 12. März erforderlich. Weitere Infos: https://www.museum-ruesselsheim.de/

Nach diesen Tipps noch einmal zurück zu meinen industriekulturellen Nachforschungen im Hochtaunuskreis im Jahr 2010: Ich reiste durch den Landkreis, führte zahlreiche Gespräche mit Bürgermeistern, VertreterInnen von Museen und Geschichtsvereinen sowie weiteren Persönlichkeiten. Zudem moderierte ich Impulsnachmittage für Institutionen, die an den Tagen der Industriekultur Rhein-Main selbst Veranstaltungen und Aktionen anboten. Und mir wurde klar, dass ich in Oberursel, wo ich wohne und arbeite, umgeben bin von zahlreichen industriekulturellen Stätten, wie zum Beispiel diesen:

Elektrotechnische Fabrik Medidenta Schramm: Hier jogge ich jeden Morgen vorbei. 1905 gründete Carl Schramm das Unternehmen in Frankfurt am Main als Fabrikation für Zahn- und Papierwaren. Das Herstellungsprogramm wurde im Laufe der Jahre mehrfach erweitert, z. B. um Ventilatoren. 1930 wurden die in ganz Frankfurt verteilten Elektrogeräte-Produktionsstätten in Oberursel auf dem noch heute bestehenden Gelände im Gattenhöferweg zusammengelegt, das schon im Mittelalter Standort einer Mühle war. Seit 1970 gibt es einen Bereich Fahrzeugtechnik und Oldtimerzubehör, den Liebhaber von Oldtimern bis heute sehr schätzen. Das Firmengelände beeindruckt durch seine gut erhaltene Industriearchitektur. Das Mühlrad ist zeitweise noch zur Stromgewinnung in Betrieb.

Foto: Manuela Wehrle

May & Christe: Hier komme ich oft vorbei. 1930 gründete Franz May in Frankfurt die Transformatorenfabrik Franz May, die Transformatoren und Spulen für die Radioindustrie herstellte. Während des Zweiten Weltkriegs fand der Umzug nach Oberursel statt. Als die Firma 1992 durch das US-amerikanische Unternehmen MagneTec übernommen wurde, war sie der drittgrößte Arbeitgeber in Oberursel und hatte hier an drei Produktionsstätten sowie in Mainaschaff insgesamt über 1.500 Mitarbeiter. Wenige Jahre nach der Übernahme wurde May & Christe geschlossen. An den ehemaligen Firmengebäuden am Zimmersmühlenweg ist die alte Industriearchitektur teilweise noch gut zu erkennen. Auf dem Gelände sind heute vor allem Kleinbetriebe angesiedelt.

Foto: Manuela Wehrle

Kraftwerk: Befindet sich schräg gegenüber von May & Christe.Im Jahr 1910 errichtete die Frankfurter Lokalbahn-Actiengesellschaft in Oberursel ein Gleichrichterhaus. In einem Nebengebäude, das heute nicht mehr existiert, befanden sich Transformatoren für die Bahn. Die Gebäude wurden direkt neben der U-Bahn-Haltestelle Oberursel-Bommersheim gebaut, die sich jedoch heute auf der anderen Seite der Frankfurter Landstraße befindet. Das Gleichrichterhaus war somit von herausragender Bedeutung für den Güter- und Personenverkehr von und nach Frankfurt am Main bzw. in den Taunus. Das Gebäude gehörte bis 1997 den Main-Kraftwerken und bis 2004 der Stadt Oberursel. Es wurde schließlich von drei Autonarren aus dem Taunus gekauft, die hier ihren Traum von Ausstellungshalle und Werkstatt für Oldtimer verwirklichten. Das Gebäude mit Jugendstilelementen und original erhaltener Laufkatze unter der Hallendecke wurde umfangreich renoviert und das Gelände neu angelegt.

Foto: Manuela Wehrle