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Gelebte Werte machen einen Unterschied

Das ist eines der – zugegebenermaßen nicht unerwarteten – Ergebnisse des 1. Oberurseler Werte- und Wirtschaftskongresses. Nicht nur der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dr. Dieter Zetsche, der übrigens in Oberursel zur Schule ging, hat dies den Kongressteilnehmern glaubwürdig dargelegt. Während früher für Daimler das Motto „Schaffe, net schwätze!“ gegolten habe, betrachte er heute für Daimler vor allem Begeisterung, aber auch Wertschätzung, Integrität und Disziplin als die vier Leitwerte, die für ihn zugleich eine Art Navigationssystem seien. Er untermauerte seine Einstellung mit folgendem Zitat eines Fußballers: „Nichts ist scheißer als Platz 2!“

Auf dem Bild: Organisationsteam des Kongresses Werner Ronimi (1.v.l.), Anke Berger-Schmitt (3.v.l.), Manuela Wehrle (3.v.r.) und Michael Reuter (1.v.r.) mit Dr. Dieter Zetsche (2.v.r.) und Oberursels Bürgermeister Hans-Georg Brum (2.v.l.)

„Begeisterung“ als Wert – das gefiel mir. So habe ich den Kongressteilnehmern Prof. Dr. Wilhelm Bender, den ehemaligen Fraport-Vorstandsvorsitzenden, und Dr. Lutz R. Raettig, den Aufsichtsratsvorsitzenden der Morgan Stanley Bank AG, gleich als zwei Referenten vorgestellt, für die dieser Wert auch von hoher Bedeutung ist, und zwar mit ihrer Begeisterung für die Metropolregion FrankfurtRheinMain. Das bestätigten sie auch direkt in ihren Vorträgen. Bender brachte einen für mich sehr interessanten Aspekt in die Diskussion: Er konstatierte, dass es generell und vor allem hier in Rhein-Main nicht ohne Mobilität gehe und dass Mobilität ein Freiheitsthema sei. Dies stellte er in einen Gegensatz zu den vielen Initiativen gegen den Ausbau von Verkehrsinfrastrukturen und zur deutsch-deutschen Geschichte, so dass sich für mich die Frage ergab: Spielt der Wert der Freiheit für viele Deutsche gar keine so große Rolle (mehr)?

Wieder einen ganz anderen Schwerpunkt in seinem Vortrag setzte Thomas Studanski, Inhaber des Alt-Oberurseler Brauhauses: Er zeigte nahm seine Zuhörer mit auf eine bildliche Reise durch die Entwicklung und vor allem Sanierung bzw. Restaurierung des Brauhauses und berichtete, wie er mit seiner Frau dafür ein Konzept entwickelte, woher er die Rohstoffe für die hauseigene Brauerei bezieht und wie gut der Umgang mit den Mitarbeitern funktioniert. Mein Kollege vom fokus O., Werner Ronimi, rief zum Ende dieses Vortrags denn auch direkt zum „werteorientierten Biertrinken“ auf.

Es gab noch so viele weitere spannende Vorträge und Diskussionen auf dem Kongress, sei es z. B. Rolf Heimann von Hess Natur-Textilien, der in meinen Augen endlich einmal verständlich erklärte, was echte Corporate Social Responsibility bedeutet oder auch nicht bedeutet. Oder Frankfurts Stadtrat Uwe Becker, der den Zuhörern glaubhaft die Angst vor dem großen Nachbarn Frankfurt nahm und nach dessen Vortrag ich die Teilnehmer dazu aufrief, sich doch mal auf Ballonfahrt über unsere Region zu begeben und damit, wie von Becker beschrieben, Rhein-Main nicht nur wie ein Maulwurf vom eigenen kleinen Hügel aus zu sehen, sondern aus der Perspektive eines Adlers in der Luft.

Ein absolutes Highlight auf dem Kongress war nicht nur für mich das Duo Camillo, das am ersten Kongresstag die Teilnehmer mit seinem „Musikkabarettistischen Couching für globulisierte Fühlungskräfte“ (sic!) unterhielt. Das Programm gipfelte in einem spontan improvisierten Jazz-Stück, für das die beiden Künstler, darunter ein Pfarrer aus Oberursel-Oberstedten, sich zunächst Worte vom Publikum zurufen ließ und anschließend dann das live gedichtete Stück zum Besten gab. Der Saal tobte!

Ich werde nun in der nächsten Zeit mit meinen drei Kollegen vom fokus O. – Forum der Selbständigen in Oberursel, mit denen ich den Kongress organisiert habe, zusammensitzen und schauen, was als nächstes kommt. Damit meine ich nicht nur einen möglichen Folgekongress in zwei Jahren, sondern auch Pläne für konkrete Projekte und Initiativen. Anfragen dafür gibt es schon …

Und hier noch ein paar Links für diejenigen, die etwas mehr zum Kongress nachlesen oder -schauen möchten:
– Artikel in der Frankfurter Rundschau
– Artikel in der Frankfurter Neuen Presse
– Beitrag bei Rhein-Main TV (Sendung vom 16.5.2011, Sequenz über den Kongress startet etwa bei Minute 06:00)