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Viele Unternehmen sind Quelle der Hoffnung für unsere Gesellschaft

Dies war einer der beeindruckendsten Sätze, die ich am vergangenen Freitag auf dem 2. Oberurseler Werte- und Wirtschaftskongress gehört habe. Pater Anselm Grün, Hauptreferent unseres Kongresses, hat diesen Satz gesagt. Ich finde den Satz deshalb beeindruckend, weil ich glaube, dass viele Unternehmer sich (noch?) nicht als gesellschaftlicher Quell der Hoffnung sehen und dass – leider – nicht viele Teile der Gesellschaft Unternehmen eher als „notwendiges Übel“ betrachten. Pater Anselm Grün verbindet mit Unternehmen jedoch nicht nur die Hoffnung auf Arbeitsplätze, sondern auch auf Impulse für das gesellschaftliche Leben, z. B. im Bereich Kinderbetreuung, und für Stadtentwicklung insgesamt.

Die rund 200 Kongressteilnehmer lauschten den gut verständlichen und mit einigem Humor vorgetragenen Ausführungen des Paters gebannt und belohnten diese mit langem Applaus. Somit konnte auch unser Kongress-Organisationsteam vom fokus-O., d. h. Michael Reuter, Anke Berger-Schmitt, Werner Ronimi und ich, sich über den perfekten Auftakt des Tages freuen. Die Freude über eine gelungene Veranstaltung verließ uns dank der vielen spannenden Referenten, zahlreichen guten Gesprächen und einem krönenden kabarettistischen Abschluss an dem Tag nicht mehr.

Wer weiß schon, dass die Baumarktkette Hornbach derzeit in fünfter Generation von der Familie Hornbach und nach zehn Grundsätzen geführt wird, zu denen beispielsweise „Expansion ohne Akquisitionen“ und „Zuverlässigkeit und Heimatverbundenheit“ zählen. Folgerichtig regte ein Kongressteilnehmer an, dass Hornbach dies doch auch in seinen bekannten Werbespots mit darstellen sollte, womit sich der Vorstandsvorsitzende und zugleich unser Referent, Albrecht Hornbach, jedoch noch etwas schwer tut, denn: die Baumarktkette setze zwar schon lange auf Nachhaltigkeit, habe bisher jedoch keinen Wert darauf gelegt, auch als besonders nachhaltiges Unternehmen wahrgenommen zu werden.

Einer der spannendsten Vorträge des Tages war für mich der von Jürgen Röthig. Er schilderte überzeugend und gewitzt von seinem beruflichen Werdegang vom Banker zum Heilpraktiker. Darunter beispielsweise seine während der Tätigkeit im Bankhaus Metzler gereifte Einsicht, dass man nicht mit Mitarbeiten zusammenarbeiten könne, die nicht die gleichen Werte wie er als Vorgesetzter teilen, weshalb er solche Mitarbeiter dann konsequent entließ. Oder der Moment, in dem ihm klar wurde, dass Arzt der perfekte Beruf für ihn gewesen wäre. Sehr spannend aus meiner Sicht: dass die Wiedervereinigung 1990 für ihn die größte Werteveränderung in seinem Leben mit sich brachte.

Im Diskussionsforum “Unternehmen werteorientiert führen – lohnt sich das?“ stellten die Referenten diese Frage sich gar nicht, sondern diskutierten direkt, wie werteorientierte Unternehmensführung in der Praxis gelebt werden kann oder soll. Quintessenz: Unternehmer sollten den Mitarbeitern ihre Werte und ihre Leidenschaft am Beruf vorleben, und der Fokus sollte weniger auf Unternehmens- und stärker auf Menschenführung liegen.

Die abschließende Podiumsdiskussion richtete den Blick weg von einzelnen Unternehmen hin zur Stadtentwicklung. Gern hätte ich dazu noch mehr vom ersten Impulsreferenten, Prof. Dr. Achim Behrens vom Lehrstuhl Altes Testament an der Lutherischen Theologischen Hochschule Oberursel, gehört. Sein Thema war „Suchet der Stadt Bestes“, also laut meiner fokus O.-Kollegin Anke Berger-Schmitt „die biblische Version von Stadtentwicklung“. Heiner Bernhard, der Oberbürgermeister von Weinheim, zeigte, was Stadtentwicklungsprozesse in „seiner“ – von Größe und Charakteristik Oberursel etwas ähnlichen –  Stadt in den letzten Jahren bewirken konnte. Sehr gefallen hat mir dabei u. a. der öffentliche Ideenwettbewerb zur Umgestaltung des Busbahnhofes, für den sogar Kinder(gärten) eigene Beiträge eingereicht haben. Und der Stadtplaner Dr. Frank Pflüger machte nicht nur auf die Notwendigkeit von Baukultur aufmerksam, sondern auch darauf: „Baukultur macht glücklich“!

Nicht zuletzt unser Moderator, Jürgen Schultheis, hat einen deutlichen Beitrag zu dem erfolgreichen Kongress geliefert: Er beschäftigt sich schon lange mit dem Thema Corporate Social Responsibility, was im Zusammenhang mit werteorientierter Unternehmensführung ja eine große Rolle spielt, und stellte unseren Referenten die eine oder andere knifflige Frage.

Das Duo Camillo war, wie schon beim ersten Oberurseler Werte- und Wirtschaftskongress, der perfekte Abschluss für den Kongresstag: in der ersten Hälfte zwar mit teilweise überraschend derbem Humor, insgesamt aber wie immer mitreißend, zwischendurch mehrmals nachdenklich stimmend und mit witzigem Impro-Lied zum Ende.

Ich muss gestehen: Es scheint uns nichts anderes übrig zu bleiben, als auch einen 3. Oberurseler Werte- und Wirtschaftskongress zu organisieren …

Hier berichtete die Taunus Zeitung am 18.5.2013 über den Kongress.