Posted on November 19, 2025 by Manuela

Wenn sich Kreise schließen, sind das immer richtig gute Momente. So einen hatte ich kürzlich: Am Vormittag habe ich im Rahmen eines Dozenten-Engagements Studierenden etwas über die Nutzung öffentlich zugänglicher Statistiken vemittelt. Am Nachmittag war ich bei einem geschätzten Kunden, für den ich eine Regionalanalyse erstellt hatte, aus der ich wiederum Input für „meine“ Studierenden nutzte.
Aber der Reihe nach: In diesem Semester übernehme ich eine Dozentur zum Thema „Informationsakquise und Führungskompetenz“. Das ist ein Kurs für Master-Studierende des Studiengangs „Technische Redaktion und multimediale Dokumentation“ an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). In dem Kurs sollen die Studierenden u. a. etwas über Fragetechniken und Umfragedesigns, Datenauswertung und Darstellung von Informationen lernen. Diese Themen gehören zu meinem beruflichen „Handwerk“.
Im Kurs bin ich inzwischen mit den Studierenden schon alle möglichen Arten von Fragen für Umfragen durchgegangen, z. B. Filterfragen, mehrdimensionale Fragen und Phantomfragen. Wir haben uns angeschaut, wie man Antwortmöglichkeiten in Umfragen strukturiert und welche Möglichkeiten dabei z. B. die Likert Skala und die Guttman Skala bietet. Wir haben einen Blick in öffentlich verfügbare Statistiken geworfen und statistische Recherchen zu ausgewählten Themen vorgenommen. Dabei war ich beeindruckt (oder vielleicht sogar auch ein wenig neidisch), dass die Studierenden über die Hochschule vollen Zugriff auf das Portal Statista haben! Zudem gab ich ihnen beispielhafte Einblicke in Projekte, in denen ich mit Umfragen und/oder statistischen Daten gearbeitet habe.
Zu diesen Projekten zählt u. a. die Regionalanalyse, die ich im vergangenen Jahr im Auftrag der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Marburg-Biedenkopf erstellte. Die WFG wurde 2023 neu gegründet. Sie benötigte damals eine auf Zahlen, Daten und Fakten basierende Informationsgrundlage zur wirtschaftlichen Situation des Landkreises. Eine solche Übersicht existierte bis dahin nicht. Ich stürzte mich mich voller Elan in die Analyse. Zu meinen „besten Freunden“ in dem Projekt zählten als Datenquellen das Statistikamt, der Arbeitsmarktmonitor der Bundesagentur für Arbeit, der Wegweiser Kommune der Bertelsmann Stiftung, der Pendleratlas, der Breitbandatlas und das IfM Bonn. Letzteres bietet u. a. Daten zum regionalen Gründungsgeschehen. Wer sich schon mit gründungsrelevanten Statistiken beschäftigt hat, weiß, dass deren statistische Erfassung eine Herausforderung ist.
Dies versuchte ich auch, den Studierenden zu vermitteln: Indem ich ihnen z. B. erklärte, dass häufig die Statistik der Gewerbeanmeldungen genutzt wird, um Aussagen über das Gründungsgeschen treffen zu können. Und dass diese Statistik sehr weitgefasst ist, denn sie beinhaltet Betriebsneugründungen, Zuzüge aus anderen Meldebezirken, Verschmelzungen oder Abspaltungen, Wechsel der Rechtsform, Gesellschaftereintritte und Betriebsübernahmen.
Wo sich nun der oben besagte Kreis schloss: Nach meinem zweiten Kurstermin mit den Studierenden an der THM nutzte ich die Gelegenheit für einen Abstecher nach Marburg zur WFG. Das war in mehrfacher Hinsicht ein überaus positiver Termin: Erstens traf ich endlich einmal wieder Tobias Kurka, den WFG-Geschäftsführer. Ihn kenne ich aus seiner vorigen Tätigkeit als Standortmanager des Nachhaltigen Gewerbegebiets in Frankfurt. Zweitens lernte ich endlich seine Kolleginnen Eva Karanikola und Doris Autzen „in echt“ kennen. Mit ihnen hatte ich bislang nur Kontakt über Bildschirm und Telefon. Drittens freute ich mich zu hören, dass die Publikation „Der Wirtschaftsstandort Marburg-Biedenkopf in Zahlen“ auf großes Interesse stößt. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Werks ist die von mir verfasste Regionalanalyse. Viertens konnte ich einen neuen Coworking Space kennenlernen: den Marburger Standort von Rivvers. Hier ist die WFG mit einem eigenen Büro ansässig.
Als gebürtiger Fischkopp hätte ich unser Gespräch natürlich am liebsten in einem der Strandkörbe geführt, die auf dem Dach des Gebäudes stehen. Dafür war es jedoch leider zu nass und zu kalt. Das holen wir dann in der wärmeren Jahreszeit nach.
Übrigens, mein übernächster Termin mit den Studierenden an der THM ist am 9. Dezember vorgesehen. Genau am gleichen Tag findet im Kreishaus Marburg-Biedenkopf eine Veranstaltung statt, die mich interessiert hätte: „Gemeinwohl-Bilanzierung für attraktive Arbeitgeber!?“ Die Besonderheit daran: Der Marburg-Biedenkopf ist der erste gemeinwohlbilanzierte Landkreis in Deutschland. Genau darum und um das Thema Fimenkultur wird es gehen. Wirtschaftsförderer Tobias Kurka ist mit einem Programmpunkt dabei. Hier gibt es weitere Infos.